09.12.2019

Giftige Pflanzen im Kindergarten?

Immer wieder fragen uns besorgte Erzieher*innen und Eltern, ob Pflanzen in Kindergärten giftig sind.
Hier lesen Sie eine unserer Antworten.

Hallo Frau H.

Die Pflanzen auf den angehängten Fotos sind eindeutig zu identifizieren als Liguster (Lonicera ovalifolium) und Knall-Erbsenstrauch (Symphoricarpos chenaultii ‚Hancock‘).
Beide sind zwar bedingt unverträglich aber definitiv nicht giftig.

Die Früchte schmecken einfach nicht gut.
Kein Kind isst von den Früchten freiwillig so viel, dass es davon Schaden nimmt.
Sie spucken sie freiwillig aus – ab einer individuell unterschiedlichen Menge auch unfreiwillig.
Spätestens dann setzt der notwendige Lernprozess ein.
Das gleiche passiert ja auch, wenn man sein Kind eine ganze Tüte Chips oder Haribo-Konfekt essen lässt.
Und kotzende (Entschuldigung) Kinder sind nicht gleich vom Tode bedroht – auch wenn es nicht schön ist, dabei zuzuschauen.

In der Neufassung der Spielplatz-Norm werden übrigens überhaupt keine Giftpflanzen mehr aufgeführt werden.
Es wird nur darauf hingewiesen, dass auf Spielplätzen geeignete Pflanzen eingesetzt werden sollen.
Denn es gibt offensichtlich keine Fälle von durch Pflanzenvergiftungen schwer geschädigter Kinder in Deutschland.

Also wieder einmal: Entwarnung

Wer sich aber verrückt machen möchte, soll einfach im Internet weiter recherchieren.

Wer sich beruhigen möchte, probiert ab und zu eine der vermeintlich gefährlichen Früchte. Selbstverständlich nur in kleinen Portionen. Die unappetitlichen bitte gleich wieder ausspucken. Ihnen werden aber auch leckere Früchte begegenen – zum Beispiel unsere verkannten Wildfrüchte. Die inzwischen erstaunlich verlässlichen Bestimmungs-Apps helfen, die Pflanzen zu benennen. Denn ist ist immer gut zu wissen, was man sich in den Mund steckt.
In jedem Fall werden diese Experimente ohne bleibende Schäden sein.

Denn auch bei suizidaler Veranlagung ist eine letale Selbstvergiftung mit Beeren von in unseren Breiten frei wachsenden Pflanzen nahezu unmöglich. Arzneimitteln, Drogen und Haushalts-Chemikalien sind diesbezüglich deutlich gefährlicher.
Von ihnen geht die wirkliche Gefährdung unserer Kinder aus.

Sie merken, ich werde dieser „Giftpflanzen“-Fragen zunehmend überdrüssig.
Werde sie aber selbstverständlich – für Sie – gerne weiter beantworten.
Gewürzt mit einer Prise selbst geriebenen Sarkasmus.

Allerherzlichste Grüße.

Hartmut Bremer

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